Nun bin ich zurück im kalten Deutschland - und kann mich noch nicht wirklich darüber freuen. Ja, ich habe jetzt wieder den Luxus von fließendem (und warmem) Wasser, saubere Duschen und Toiletten, eine Waschmaschine und Strom auf Knopfdruck. Aber man kann in Ghana auch ganz gut ohne diese Dinge leben. Das Leben dort war irgendwie unkomplizierter und wurde nicht bestimmt von SEO, Computerkauderwelsch, E5- oder E10-Benzin, Jobsorgen bzw. dem schwerfälligen öffentlichen Dienst oder Wahlkampf.
Wobei Wahlkampf dort ziemlich ähnlich funktioniert wie überall. Mein Gastvater ist überzeugt davon, dass in Kwamoso spätestens im nächsten Jahr der versprochene Strom fließt, denn dann sind dort die nächsten Wahlen… Ich hoffe für ihn und die künftigen Freiwilligen dass er recht hat.
Und das facebook-Fieber ist in Ghana leider auch ausgebrochen. Einige Ghanaer waren ganz verwundert, dass es auch Leute gibt, die nicht in Facebook sind. Und einer hat doch tatsächlich gefragt, ob ich dann keine Freunde hätte. Das ist ganz schön traurig. Einer unserer Freiwilligen hat in den drei Monaten, die er bereits dort ist, fast 100 neue “Freunde” gewonnen. Aber sind Facebook-Freunde wirklich richtige Freunde? Den Zahn muss man den Ghanaern wohl noch ziehen… Der Vorteil von fehlendem Strom und damit auch fehlendem Fernseher oder Computer ist, dass man sich abends auch mal miteinander unterhalten oder Karten oder ähnliches spielen kann und so auch tatsächliche Freundschaften aufbauen kann. In unserer schnelllebigen westlichen Welt ist das ja heutzutage leider kaum noch möglich.
Was die Baustelle betrifft, konnte ich die Schule leider nicht mehr im fertigen Zustand sehen, ich hoffe aber, dass ich ein Bild bekomme, sobald die Schule fertig ist. Im Moment standen aber auch schon neue Bauprojekte in den Startlöchern, sodass auch für die nächsten Freiwilligen noch genug zu tun bleibt. Auch wenn der Einsatz nicht wirklich als Hilfe zur Selbsthilfe interpretiert werden kann, wird damit doch ein Beitrag geleistet, den Kindern eine bessere Ausbildung zu ermöglichen. Und das ist mit das Wichtigste was ein Land wie Ghana braucht!
Insgesamt waren die zwei Monate für mich viel zu kurz bzw. sie sind viel zu schnell vergangen. Und es war vor allem eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte und ich jedem dem sich die Gelegenheit bietet nur empfehlen kann. Und wer schon mal ein bißchen üben möchte, kann ja mal eine sog. “bucket shower” versuchen: man nehme einen 10 l Eimer (im Original natürlich kaltes Wasser) und einen Schöpfbecher und versucht damit zu “duschen”. Man glaubt es kaum, aber es funktioniert!
Und die Eintracht gewinnt jetzt auch wieder… ;o)


















Susanne Jäger ist 31 Jahre alt und Diplom-Kauffrau aus Mainz. In Ihrer Freizeit engagiert sie sich unter anderem beim Deutschen Roten Kreuz in Bad Soden als Bereitschaftsleiterin. Seit Mitte Januar ist sie für zwei Monate in Ghana, um dort in einem Hilfsprojekt Häuser und Schulen für das hilfsbedürftige Land aufzubauen.